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Monday, October 3, 2011

"Die Qualität stimmt" – Till Fabian Weser über die Proben zu "Le nozze di Figaro"

Die Premiere von 'Le nozze di Figaro' steht kurz bevor. Am 4. Oktober wird sich im ETA Hoffmann-Theater Bamberg der Vorhang zum ersten Aufführung der Sommer Oper Bamberg 2011 heben. Von den Proben der letzten Wochen berichtet Till Fabian Weser, der künstlerische Leiter der Sommer Oper Bamberg:


Lieber Till, wir haben zuletzt vor dem Eintreffen des Orchesters gesprochen. In den letzten Wochen ist einiges passiert, alle Einzelteile haben sich zu einem Ganzen gefügt und eine Opernproduktion ist entstanden. Wie liefen die Proben?
Wir haben erstmalig die Sommer Oper Bamberg ohne eine Tutti-Probe begonnen, sondern gleich mit den Satzproben angefangen. Bei ‚La Bohéme‘, die wir im Jahr 2009 aufgeführt haben, war es sinnvoll, zum Kennenlernen des Stücks gleich am Anfang einen Durchlauf zu machen, vielleicht sogar mit dem einen oder anderen Sänger, um ein Gefühl für die Puccini-typischen Rubati zu bekommen. Bei Mozarts ‚Le nozze di Figaro‘ war allerdings zunächst einmal Handwerk gefragt, und das haben die Dozenten sehr gut vorbereitet und exzellent vermittelt. Michi Gaigg etwa hat wirklich tolle Streicher-Klangfarben zustande gebracht und zum Beispiel knirschende und klopfende Klänge für ‚Non più andrai‘, den Marsch am Ende des ersten Aktes, in den Geigen herausgearbeitet. Wir haben uns am Ende eines Gruppenprobetages allerdings immer eine halbstündige Durchlaufprobe erlaubt und die Ouvertüre oder ein Finale ausprobiert. Das Orchesters ist sehr homogen, und das Niveau deutlich höher als in den Jahren zuvor, das liegt daran, dass wir Probespiele veranstaltet haben. Ohne die wird es in Zukunft nicht mehr gehen, sie haben sich sehr bewährt.

Wie lange haben die Satzproben gedauert?
Drei Tage. Und wir hatten wunderbare Dozenten, die mit den einzelnen Gruppen intensiv geprobt haben. Neben Michi Gaigg waren das Kristin von der Goltz für die tiefen Streicher, Claire Genewein für die Holzbläser, Jonathan Pia für die Trompeten, Szabolcs Zempléni für die Hörner, Robert Cürlis für Pauke und Pilar Montoya Chica für Hammerklavier / Korrepetition.
Hörner und Trompeten spielen auf historischen Instrumenten, auch die Pauke verwendet Holzschlägel. Diese "Ingredienzien" prägen den Klang des Orchesters, das ansonsten auf modernen Instrumenten spielt, entscheidend. Das Orchester ist überaus motiviert und brannte nach den Satzproben geradezu danach, zusammenspielen zu dürfen. Wir sind in den gemeinsamen Proben der darauf folgenden Tage ohne Hast durch die Oper gekommen. Es war für mich, als künstlerischem Leiter, einerseits wichtig, darauf zu achten, dass etwa Klarinette, Pauke und Trompete nicht all zuviel Leerlauf haben, und dabei trotzdem die Probendramaturgie so einzurichten, dass alles, was besonders sorgfältig geprobt werden musste, genug Raum erhält. Jetzt stehen wir kurz vor der Premiere und haben die Generalproben hinter uns.

Gab es denn mehrere?
Ja, wie hatten zwei Generalproben. Wir haben die Hauptprobe umgewidmet, damit beide Ensembles die Chance auf eine gleichwertige Generalprobe bekamen, beide auch mit ein wenig Publikum. Alle, die die SOB von früher kennen sind beeindruckt von der Orchersterleistung. Auch die Sänger sind sehr gut. Sänger die sich eine Partie teilen, haben für ihre Arien manchmal ganz eigene Tempovorstellungen, für die ich innerhalb einer gewissen Grenze die Freiheit lassen möchte. Und da habe ich mit Freude bemerkt, wie flexibel das Orchester reagiert, wenn sich bewusst ein paar Zahnrädchen bei unseren Proben verändert habe. Und bei der letzten Generalprobe war dann endgültig klar, dass das Orchester auf hohem Niveau Oper begleiten kann. Die Gesamtqualität der Produktion ist hoch. Auch der Chor ist sehr gut vorbereitet und tanzt sogar zum Fandango, den wir zusätzlich mit Kastagnetten gewürzt haben. Insofern wird es eine runde und spannende Sache und ich freue mich sehr auf die Premiere.



Tuesday, September 27, 2011

"Sie wollte uns nur ungern verlassen": Till Fabian Weser berichtet vom Meisterkurs mit Angelika Kirchschlager




Die Sommer Oper Bamberg freut sich sehr, mit Angelika Kirchschlager eine der wichtigsten Mezzosopranistinnen unserer Zeit für den Meisterkurs gewonnen zu haben, denn Sie sorgt nicht nur als Konzertsolistin an den großen Häusern der Welt für Furore, sondern ist vor allem eine herausragende Mozart-Interpretin. Ihren reichen Erfahrungsschatz teilt die Kammersängerin seit drei Jahren auch mit dem künstlerischen Nachwuchs. „Unterrichten“, so sagte sie unlängst in einem Interview mit diesem Blog, „macht mir wahnsinnig viel Spaß!” Die Ensemblemitglieder der Sommer Oper Bamberg hatten zu Beginn der Probenphase die Ehre und das Vergnügen, mit Angelika Kirchschlager an den Rollen aus ‚Le nozze di Figaro‘ arbeiten zu dürfen.

Till Fabian Weser, der künstlerische Leiter der Sommer Oper Bamberg, berichtete am 18. September in einem kurzen Gespräch davon:

Angelika Kirchschlager hat dreieinhalb Tage lang mit dem Ensemble der Sommer Oper Bamberg gearbeitet. Warst Du die ganze Zeit über dabei?
Ja, von Sonntag bis Mittwoch. Zusammen mit Valentina di Taranto, unserem Italienischcoach, habe ich den Meisterkurs sehr aufmerksam mitverfolgt, um die wunderbare Arbeit von Angelika Kirchschlager, soweit das übehaupt möglich ist, in den Proben weiterführen zu können.

Was hat Dich am meisten beeindruckt?
Die Atmosphäre war phantastisch. Angelika Kirchschlager hat eine einzigartige Arbeitsweise, die hochmotivierend ist, denn sie vermittelt Kritik durch Lob, und Fortschritte haben sich dabei enorm schnell eingestellt. Wir sind durch die ganze Oper gekommen, mit Ausnahme weniger Rezitative. Sie selbst war mit der Auswahl der Sängerinnen und Sänger überglücklich und wollte uns nur sehr ungern verlassen.

Angelika Kirchschlager hat bereits im Vorfeld, wie Valentina di Taranto auch, betont, wie wichtig die Arbeit an den Rezitativen bei „Le nozze di Figaro“ ist.
Das war tatsächlich so, das hat eine sehr große Rolle gespielt. Angelika Kirchschlager hat aber auch intensiv an den Soloarien und auch an Ensemblestücken gearbeitet. Die großen Ensemblenummern haben wir uns dann aber immer nur „zur Belohnung“ gegönnt. Doch auch das war sehr wichtig, weil sich dabei schon ein gemeinsamer Ensembleklang eingestellt hat.

Der Meisterkurs hat nicht hinter verschlossenen Türen stattgefunden; die musikinteressierten Bamberger waren eingeladen, als Zuhörer daran teilzunehmen. Wurde das angenommen?
Ja, sehr gut. Es gab sogar einige „Connaisseure“, die ihn über die gesamte Zeit verfolgt und das sehr genossen haben.

Ein guter Anfang für die Sommer Oper Bamberg?
Auf jeden Fall. Dadurch ist das Ensemble unglaublich schnell zu einem freundschaftlichen Team zusammengewachsen, auch wenn sich einige die Rollen teilen werden müssen.

Wenn Angelika Kirchschlager von der Sängerauswahl begeistert war, hattet Ihr also ein gutes Händchen?
Wie haben die Sängerinnen und Sänger ja bereits vor ein paar Monaten bei einem Vorsingen ausgewählt, und als Valentina di Taranto und ich sie jetzt, im September, beim Meisterkurs wieder gehört haben, haben wir begeistert festgestellt: Alle haben noch einmal zugelegt und sind noch ein Stück besser geworden! Das liegt natürlich auch daran, dass sie mit ihren Partien und dem ganzen Stück vertrauter sind. Zudem fällt der Stress und Druck eines Castings weg, und alle sind hochmotiviert.

Seit dem 13. September laufen nun die szenischen Proben. Wann kommt das Orchester?
Am 19. September beginnen die Proben. Ich bin natürlich wahnsinnig neugierig auf das Orchester. Im Gegensatz zu den früheren Projekten weiß ich allerdings schon aus den Probespielen, wie gut die einzelnen Musiker sind, aber ich bin sehr gespannt, wie das Orchester zu einem Ensemble zusammenwachsen wird, wie es klingen wird – und wie sie mit Mozart umgehen, der doch etwas ganz anderes ist als Puccini. Darauf freue ich mich sehr!

Dann freuen wir uns, demnächst mehr von Dir zu den laufenden Proben zu hören. Vielen Dank für das Gespräch!

Monday, June 27, 2011

Das Orchester steht! – Vorspiele zur Sommer Oper Bamberg 2011 beendet



Nach dem Sänger-Ensemble, das aus den Vorsingen im April hervorgegangen ist (und das wir an dieser Stelle regelmäßig vorstellen), stehen nun auch die Mitglieder des Orchesters fest. Zwischen Mitte Mai und Anfang Juni fanden Probespiele in mehreren europäischen Städten statt, in Mannheim, Berlin, Nürnberg und Düsseldorf, sowie an den Partnerhochschulen in Linz, Salamanca und Vicenza.

"Die Vorspiele haben wir in diesem Jahr zum ersten Mal anberaumt", erzählt Till Fabian Weser, der künstlerische Leiter der Sommer Oper Bamberg. Er ist herumgereist, hat sich die jungen Musiker angehört und aus den besten das Orchester für 2011 zusammengestellt. "Und es hat sich gelohnt: Das wird ein sehr gutes Orchester mit wunderbaren Mitgliedern, auf das man wirklich gespannt sein darf. Besser noch, als beim letzten Mal. Und das ist ja auch wichtig, wenn wir Le nozze di Figaro einstudieren wollen".

Ganz im Sinne des internationalen Geistes, der die Sommer Oper Bamberg prägt, kommen die jungen Musikerinnen und Musiker aus den unterschiedlichsten Ländern, aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Italien, Spanien, Luxemburg, Litauen, Japan und der Türkei. "Besonders groß war das Interesse an den Vorspielen übrigens in Spanien", stellt Till Fabian Weser fest, "die jungen Musiker dort sind unglaublich gut vernetzt und haben sich in großer Zahl beworben."

Einige der Orchesterteilnehmer haben gerade ihr Studium abgeschlossen, andere eben erst damit begonnen. Doch das allein sagt noch nichts aus. Es ist das musikalische Können, das zählt, und das hängt nicht nur vom Alter ab. Die jüngste Teilnehmerin, die mit ihrem anrührenden Celloton die Jury begeisterte, wird zu Beginn der Proben gerade einmal 18 Jahre alt geworden sein.

Sie und ihre Kollegen erwartet ein dichtes und vielfältiges Programm. Sie werden die Oper einstudieren, in mehrwöchigem Zusammenspiel ihre Klangkultur schulen und gemeinsam Kammermusik betreiben. Und ganz am Anfang können sie sich Kenntnisse in historischer Aufführungspraxis erarbeiten, angeleitet von Meistern ihres Faches wie der bekannten Barockgeigerin Michi Gaigg, der Barockcellistin Kristin von der Goltz, der Traversflötistin Claire Genewein und der Spanischen Cembalistin und Tänzerin Pilar Montoya. Mitglieder der Bamberger Symphoniker unterstützen sie zudem mit Vorspieltraining.

Wir dürfen uns also auf ein hochmotiviertes, musikalisches und bestens präpariertes Orchester und eine vielversprechende Sommer Oper Bamberg 2011 freuen. Vom Ergebnis kann man sich dann zwischen dem 4. und 12. Oktober im E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg überzeugen.

Wednesday, May 18, 2011

Orchesterprobespiele in Europa | Sänger-Casting im Fernsehen

Die Orchesterprobespiele sind in vollem Gang. Nach Mannheim, Berlin und Salamanca folgen in den nächsten Tagen noch Vicenza, Nürnberg, Linz, Prag, Stockholm und Düsseldorf. Wir werden demnächst ausführlicher dazu berichten. In der Zwischenzeit sei noch ein kleiner Fernsehbeitrag von TV Oberfranken zum Sänger-Vorsingen im April nachgereicht. Viele Vergnügen.

Wednesday, April 20, 2011

Das Ensemble steht! – Vorsingen zur Sommer Oper Bamberg 2011 beendet


Die Sommer Oper Bamberg ist begehrter als je zuvor: Fast vierhundert Sängerinnen und Sänger haben sich im Vorfeld um die Plätze im Ensemble 2011 beworben. Verständlich, denn neben den sechs Aufführungen von Mozarts "Le nozze di Figaro" und ausgiebiger Opernerfahrung enthält das Paket noch einen Meisterkurs mit Angelika Kirchschlager, Kurse in Opernitalienisch und Sängercoaching, die Chance auf ein Stipendium, ein Engagement am Mainfranken-Theater oder die Vertretung durch eine Agentur.

Die Vorauswahl hat der künstlerische Leiter Till Fabian Weser zum ersten Mal gemeinsam mit dem Berliner Agentur-Partner Artistainternational getroffen. Das war auch ohne ständige Treffen und Reisen problemlos möglich, da alle Bewerber Ihre Hörbeispiele online einreichen mussten. Über die Auswahl herrschte schnell ein breiter Konsens: 70 Sängerinnen und Sänger wurden zu den Vorsingen am 8., 9. und 16. April eingeladen und stellten sich der fünfköpfigen Jury, bestehend aus Till Fabian Weser, Rainer Lewandowski (Intendant E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg und Regisseur der Inszenierung), Valentina di Taranto (Italienisch Coach, Opera Studio Nederland), Hermann Schneider (Intendant Mainfranken Theater Würzburg) und Franziska Hunke (Agentur Artistainternational, Berlin).

Die Entscheidung blieb bis zum letzten Tag spannend. Und einfach war sie auch nicht immer: "Bei einer solch großen Vorauswahl geht es schon gar nicht mehr um die Frage, ob jemand gut oder schlecht singt," erzählt Till Fabian Weser. Eher darum: "Spricht einen die Stimme an, passt sie zur Partie? Wie versteht man den Text, wie tragfähig ist die Stimme? Agieren die Sänger souverän, wie ausgeprägt ist ihr Gestaltungswille, etc."

Aus einer beeindruckenden Zahl von hervorragenden Bewerbern hat die Jury schließlich fünfzehn Sängerpersönlichkeiten ausgewählt – die fünf Hauptpartien wurden doppelt besetzt, die beiden Ensembles werden aber erst während der Probenphase endgültig zusammengestellt.
Auf vergleichbar hohem Niveau gehören zu der international bunt zusammengewürfelten Gruppe sowohl sehr junge Sängerinnen und Sänger, die ihr Studium noch nicht abgeschlossen haben, als auch schon etwas erfahrenere, die schon erste Engagements aufzuweisen haben. Manchmal, wenn die Jury völlig regungslos lauschte und man eine Stecknadel hätte fallen hören, wenn allein eine Stimme einen ganzen Raum in ihren Bann schlug und die Emotionen der Zuhörer anrührte, dann war die Entscheidung sofort klar: Der oder die ist es!

Die Sängerinnen und Sänger der Sommer Oper Bamberg werden wir Ihnen im Laufe der nächsten Monate an diesem Ort vorstellen. Nachdem das Ensemble nun feststeht, werden im Mai mehrere Probespiele für das Orchester stattfinden. Die Bewerbungsfrist wurde gerade bis zum 2. Mai verlängert! Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Wednesday, June 9, 2010

Interview mit Till Fabian Weser - Initiator und künstlerischer Leiter der Sommer Oper Bamberg

Nachdem die Sommeroper Bamberg nun bereits zum dritten Mal erfolgreich eine Opernproduktion realisieren konnte (2005; 2007; 2009) ist es an der Zeit, den Menschen zu Wort kommen zu lassen, der das ganze Projekt initiiert hat und seit Beginn für die Organisation und die künstlerische Leitung verantwortlich ist.


Till Fabian Weser, 1965 in Bloomington, Indiana in den USA geboren, ist neben zahlreichen anderen musikalischen Tätigkeiten Trompeter bei den Bamberger Symphonikern, leitet die Big Band des Orchesters und setzt sich als Operndirigent für den Nachwuchs junger Sänger und Orchestermusiker ein. Seine speziellen künstlerischen Interessen liegen vor allem bei den Schnittpunkten von Alter und Neuer Musik. Neben vielen künstlerischen Studien und Dirigierkursen kann er darüber hinaus auf eine lange Konzerttätigkeit im In- und Ausland zurückblicken.

Für ein Interview nahm sich der sympathische Allround-Musiker mit den vielen Talenten trotzdem gerne Zeit:


Wie kamst du auf die Idee so etwas wie die Bamberger Sommeroper einzurichten? Es gibt in der Regel ja schon Workshops für Orchester, aber selten für Oper UND Orchester.

Ja genau, Im Prinzip ist das einer der Gründe. Ich selbst war 1990 ein Jahr lang Praktikant an der Düsseldorfer Oper. Und mein Studium hat mich nicht wirklich darauf vorbereitet, was es heißt in einem richtigen Orchestergraben zu spielen. Das ist eine ganz andere Atmosphäre als auf der Bühne mit einem Konzertorchester. Allein die Nervosität und das Lampenfieber sind im Graben anders als auf der Bühne. So kann ich aus der Perspektive des Orchestermusikers sagen, da gibt es einen Bedarf. Darüber hinaus kann man verfolgen, wie viele gute Sänger es gibt, die alle auf eine Chance warten. Diese Verbindung an Möglichkeiten werden sonst kaum vermittelt. Es gibt zwar Opernproduktionen an Musikhochschulen, aber die finden in der Regel nicht in einem Opernhaus statt. Also zu den Sachen die ich gesagt habe, wie mit dem Lampenfieber gehört einfach der Graben - der Geruch des Theaters. Und was natürlich auch ganz besonders wichtig ist, dass es eine intensive und nachhaltige Arbeit ist. Das heißt wir arbeiten nicht vier Wochen an einem Stück um es dann einmal aufzuführen, sondern wir haben gleich eine ganze Serie von sechs Konzerten.
Für die Sänger ist es natürlich das Gleiche. Sie atmen Theaterluft, sie haben ein echtes Opernhaus mit moderner Bühnentechnik und allem drum und dran, was in dieser Zeit nur für sie da ist.
Das liegt auch an unserem Projektpartner, dem E.T.A. Hoffmann-Theater. Der ganze technische Stab, der da im Hintergrund wirbelt ist wirklich für das Projekt, für die Aufführung da. Das greift ineinander. Intensiv und harmonisch.


Bamberg selbst hat ja so eigentlich kein Opernhaus, oder?

Bamberg hat das städtische Theater, was später in E.T.A. Hoffmann-Theater umbenannt wurde, weil der Namensgeber dort auch Theaterdirektor war. Es gibt immer noch einen Orchestergraben und speziell nach der Renovierung des Theaters wurde der Bühnenraum im alten Stil belassen und der Orchestergraben wurde auch modernisiert mit Hubbühne etc. Aber es gab schon eine Operntradition in Bamberg vor E.T.A. Hoffmann. Es wurden auch große Opern gespielt: „Der Freischütz“, „Don Giovanni“, etc.
Zur Hundertjahr-Feier von E.T.A-Hoffmann wurde auch Hoffmanns Erzählungen aufgeführt. Also richtig große Opern. Wir greifen die städtische Tradition auf und spielen große Opern, angefangen eben mit Tosca (2005), Bajazzo (2007) und La Bohème (2009).

Gibt es eine Kooperation mit Bayreuth? Ihr vergebt ja auch intern das Richard-Wagner-Stipendium an Teilnehmer der Sommeroper, die sich besonders auszeichnen?

Das hat nur indirekt mit Bayreuth zu tun, weil viele kulturinteressierte Städte einen lokalen Richard-Wagner-Verband haben – bei uns ist es der Richard-Wagner Verband, Sektion Bamberg. Dieser hat von Bayreuth die Möglichkeit bekommen, ein Stipendium zu vergeben. Dazu sind sie aufgefordert, begabte Nachwuchskünstler zu suchen und zu finden. Und das ist eine Kooperation, die wir seit 2007 tätigen, wo ein Sänger ausgesucht wird, an den wir ein Stipendium vergeben.


Zum Stichwort Opern. Es war ja sehr augenfällig, dass viele Puccini-Opern ausgewählt worden sind. War das Zufall, oder Absicht?

Jein. Sagen wir es mal so: Der Grund, warum die Sommeroper beim ersten Projekt „Tosca“ gewählt hat, war natürlich ganz bewusst. Wenn man mit so einem ehrgeizigen Projekt antritt und nicht nur einen Opern- oder einen Orchesterworkshop sondern beides zusammen zu bringen möchte, hat man schon viele Kritiker und Skeptiker im Vorfeld. Wenn man dann auch noch so eine herausfordernde Oper nimmt wie „Tosca“, dann hat man natürlich zunächst noch mehr Bedenkenträger. Aber wenn es dann gelingt, so wie es 2005 ja auch der Fall war, dann hat man sich einfach einen Level erspielt der die Sommer Oper Bamberg als ein interessantes Förderprojekt für junge Instrumentalisten und Sänger wahrnehmen lässt.

Hinzu kommt, dass ich zum einen persönlich eine Vorliebe für Puccini entwickelt habe, zum anderen haben wir Opern ausgesucht, die für alle Instrumentalgruppen gleichermaßen – also von der ersten Geige bis zur Triangel - attraktiv zu spielen sind und zudem einen ganz bestimmten didaktischen Hintergrund haben: das Orchesterspiel in einer veristischen Oper, was sehr schwierig ist. Am schwierigsten von den Opern war sicherlich „La Bohème“ (2009), wo sich auch große Profiorchester gerade mit dem Anfang des Stückes schwer tun. Das zu vermitteln, und mit einem Spaßfaktor so eine Oper zu spielen und gleichermaßen zu lernen, das lag einfach in der Sache selber.
Ohne Genaueres zu verraten, kann ich sagen, dass wir nach 3 Puccini in 2011 eine ganz andere Tür aufstoßen wollen und ganz bewusst in eine ganz andere Richtung gehen.


Inwieweit hat sich dieses Projekt Sommer Oper Bamberg im Lauf der Jahre verändert?

Die Qualität ist stetig gewachsen, bedingt durch den Bekanntheitsgrad und die Akzeptanz. Durch die zunehmende Attraktivität bewerben sich mehr Musiker und Sänger. Vor allem im Sängerbereich hat das drastisch zugenommen, auch z.B. durch den Meisterkurs mit Edda Moser 2009.

Haben sich abgesehen davon noch Dinge verändert, im Laufe der Jahre, die es die Sommer Oper nun gibt?

Vieles geht leichter in der Organisation, weil man natürlich weiß auf was es ankommt. Was immer gleich schwer ist, ist die Akquise der Geldmittel, wobei ich jetzt noch nicht sagen kann, ob das auf Grund der gesamtwirtschaftlichen Situation gleichschwer bleibt oder noch schwerer wird.


Es ist also eher nicht davon auszugehen, dass es auf Grunde des Bekanntheitsgrades und der Beliebtheit der Bamberger Sommeroper in Zukunft vielleicht sogar leichter wird, weil der ein oder andere Geldgeber darauf aufmerksam wird?


Das ist richtig. Bislang kommen die meisten Mittel über Stiftungen in das Projekt hinein und bislang noch zu wenig von Sponsoren und wir wollen versuchen noch mehr Sponsoren darauf aufmerksam zu machen, weil es sich um ein attraktives „Produkt“ handelt, was nicht nur in Bamberg selber stattfindet sondern Europaweit. „Think Global“ (im Sinne von Europa) und „Act local“. Diese Devise gilt besonders eben für die Sommer Oper Bamberg, was eine sehr interessante Konstellation darstellt.

Dazu eine Frage. Legt ihr Wert darauf, dass es ein europäischer Workshop ist und bleibt? Denn es gibt ja inzwischen Musiker und Sänger, die sich aus der ganzen Welt beworben haben.

Wir haben entschieden, dass jeder der in Europa lebt bzw. studiert zugelassen ist. Ich denke, es entspricht nicht dem europäischen Gedanken, wenn nach dem Pass oder der Nationalität geschaut wird. Man sollte Europa wie einen Schmelztiegel – so wie man das in den Vereinigten Staaten von Amerika kennt – betrachten. Aus den vielfältigen kulturellen Möglichkeiten schöpfen und die vielen internationalen Musiker und Sänger zur Teilnahme an der Sommeroper nach bestandener Prüfung zulassen.


Vielen Dank für das Gespräch!

Sunday, February 15, 2009

VIDEO: 'Vissi d'arte' with Karin Varkondová

Here is a great moment from the Sommer Oper Bamberg 2005 with Tosca by G. Puccini.
Karin Varkondová from Bratislava had her debut with a wonderful performance in Bamberg together with Prof. George-Emil Crasnaru as Scarpia

Tuesday, February 10, 2009

NEWS: Press Conference at the E.T.A.-Hoffmann Theatre


The Sommer Oper Bamberg Press Conference has been our ATTO I of La Bohème. Please have a look at the fish, wine, four glasses and the lumber.

It's an opera about students performed with students.

(from right to left:
Theatre Manager Rainer Lewandowski,
Musical Director Till Fabian Weser)

Sunday, February 1, 2009

NEWS: press conference on the 10th of february in Bamberg

On Tuesday, 10th of february, a press conference will take place at the E.T.A.-Hoffmann-Theater, Bamberg. Director of the theatre Rainer Lewandowski and Till Fabian Weser (Artistic director of the SOB) will together present the "nouveautés" to the press. We also welcome Stephanie Weiss from Villa Concordia and Dr. Ingrid Huther-Thor, chairwoman from the Richard-Wagner-Society in Bamberg

Thursday, January 8, 2009

NEWS: TFW wird künstlerischer Leiter des Festivals "Klassik am See"

Unser künstlerischer Leiter der Sommer Oper Bamberg, Till Fabian Weser, wird das Sommernachts-Openair "Klassik am See" am 29. Juli 2009 leiten. Auf dem Programm stehen u.a. das Oboenkonzert von Richard Strauss mit Albrecht Mayer sowie die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Die Sopranistin der SOB07, Katrin Silja Kurz, wird gemeinsam mit den Nürnberger Symphonikern unter der Leitung von TFW mit der Ode an die Freude debutieren.
Link: Klassik am See